Vom Mallorca-Autor zum Hollywood-Drehbuchautor
Ein Gespräch über Lambada, die vergessene Stimme Loalwa Braz und den langen Weg nach Hollywood – erzählt aus einem Café in Palma.
📅 31. Januar 2026
Neuigkeit: Kai sitzt mittlerweile in der Jury der Los Angeles Short Film Awards.
„Das empfinde ich als eine der höchsten Formen der Anerkennung, die man als Künstler bekommen kann“, sagt er. „Nicht nur selbst
ausgezeichnet zu werden, sondern nun andere Arbeiten bewerten zu dürfen – das ist ein Vertrauensbeweis der Branche, der mich sehr berührt„
Ich habe mir immer die Freiheit genommen, Dinge zu tun, die mich wirklich interessieren.“
🎙️ Podcast Coming Soon!
Das ausführliche Gespräch mit Kai Fischer gibt es bald auch als Podcast-Folge bei Living Room Mallorca. Stay tuned!
Kai Fischer
Drehbuchautor · Buchautor · Mallorca-Insider · Weltenbummler
„Leidenschaft muss mit Ausdauer gepaart sein – und Wachstum kommt oft davon, in unbekanntes Terrain zu treten.“
Er sitzt mir gegenüber in einem kleinen Café in Palma, die Morgensonne fällt durch die Fenster, und er bestellt sich einen Cortado. Kai Fischer wirkt entspannt, fast gelassen – aber hinter diesem ruhigen Auftreten steckt ein Mann, der in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Weg gegangen ist. Geboren 1973 in Frankfurt am Main, gehört er zu jenen Menschen, die sich immer wieder neu erfinden. Und dabei jedes Mal authentisch bleiben.
Vom erfolgreichen Luxusimmobilienmakler zum Buchautor. Vom Reality-TV-Kandidaten zum preisgekrönten Drehbuchautor. Ein Lebenslauf, der sich liest wie das Drehbuch eines Abenteuerfilms – nur dass er echt ist. Seit 2015 lebt Kai auf Mallorca, seiner Wahlheimat. Davor führte ihn sein Weg durch Brasilien, wo er die Seele des Landes kennenlernte, durch Andalusien mit seinem rauen Charme und durch Barcelona, wo er die mediterrane Lebensart für sich entdeckte.
„Ich habe mir immer die Freiheit genommen, Dinge zu tun, die mich wirklich interessieren“, sagt er, während er nachdenklich seinen Kaffee schwenkt. „Ich hatte Jobs, die gut bezahlt waren, aber mich nicht erfüllt haben. Irgendwann habe ich beschlossen, dass das Leben zu kurz ist, um es mit Dingen zu verschwenden, die einen nicht glücklich machen.“ Diese Haltung hat ihn letztendlich nach Hollywood geführt – zumindest was seine Arbeit betrifft.
🏆 Eine beeindruckende Bilanz
Über 100 Auszeichnungen auf fünf Kontinenten für sein Drehbuch „Lambada – The Dance of Fate“. Darunter Preise bei den Film Emmy Awards 2025, dem Independent Golden Globe und den Independent Oscar Awards. Eine Erfolgsstory, die in der Branche für Aufsehen sorgt – und die zeigt, dass gute Geschichten ihren Weg finden.
🎬 Worum geht es in deinem Projekt?
Kais Augen beginnen zu leuchten, als ich ihn nach „Lambada – The Dance of Fate“ frage. Man merkt sofort: Das hier ist mehr als nur ein Drehbuch für ihn. Es ist eine Mission.
„Die Geschichte von Loalwa Braz Vieira ist eine der tragischsten und zugleich faszinierendsten Geschichten der Musikindustrie“, beginnt er. „Die meisten Menschen kennen den Song ‚Lambada‘ – er war 1989 ein absoluter Welthit, erreichte Platz 1 in über 115 Ländern. Aber kaum jemand kennt die Frau dahinter. Kaum jemand weiß, was wirklich passiert ist.“
Loalwa Braz war die Stimme der Band Kaoma, die Frau, deren unverwechselbare Stimme den Lambada-Sound prägte. Doch hinter dem Glitzer der Charts verbarg sich eine Geschichte voller Ungerechtigkeit: ein Plagiatsskandal, bei dem Loalwa fast leer ausging, während andere Millionen verdienten. Ein Leben zwischen internationalem Ruhm und finanziellem Ruin. Und ein Ende im Jahr 2017, das bis heute Fragen aufwirft – Loalwa wurde in ihrem ausgebrannten Auto gefunden, die Umstände ihres Todes sind nie vollständig aufgeklärt worden.
✍️ Die Ambitionen dahinter
„Ich wollte einer übersehenen Geschichte eine Stimme geben“, erklärt Kai seine Motivation. Er lehnt sich zurück und denkt kurz nach, bevor er weiterspricht. „Loalwa Braz war nicht einfach eine Sängerin. Sie war eine Kämpferin. Eine Künstlerin, die gegen ein System ankämpfte, das Frauen in der Musikindustrie systematisch benachteiligte. Eine Frau, die aus einfachsten Verhältnissen in Brasilien kam und es bis an die Weltspitze schaffte – nur um dann von der Industrie fallen gelassen zu werden.“
Was das Drehbuch besonders macht: Es romantisiert nicht, es klagt nicht an – es zeigt. Die Höhen und Tiefen eines Lebens, das geprägt war von unbändiger Leidenschaft, bitterer Ungerechtigkeit und dem Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen. „Loalwas Geschichte ist eine universelle Geschichte“, sagt Kai. „Es geht um Träume und Enttäuschungen, um Erfolg und Scheitern, um die dunkle Seite der Unterhaltungsindustrie. Themen, die heute aktueller sind denn je.“
📝 Der kreative Prozess
Kais Arbeitsweise folgt einem klaren Muster, das er sich über Jahre angeeignet hat: Recherche, Struktur, emotionaler Bogen. „Ich beginne immer mit den Fakten“, erklärt er. „Bei Loalwa bedeutete das: Eintauchen in Archive, alte Interviews studieren, mit Menschen sprechen, die sie kannten. Ich wollte verstehen, wer diese Frau wirklich war – nicht nur ihre Biografie, sondern ihre Seele. Was hat sie angetrieben? Was hat sie verletzt? Was hat sie nie aufgegeben?“
Erst wenn diese Grundlage steht, beginnt das eigentliche Schreiben. „Die emotionale Wahrheit einer Szene steht für mich immer an erster Stelle. Jede Szene muss sich echt anfühlen, muss den Zuschauer emotional packen. Erst wenn das stimmt, kommen die Dialoge.“ Er lächelt. „Manche Szenen schreiben sich dann fast von selbst. Als würden die Figuren führen und nicht umgekehrt. Das sind die magischen Momente, für die man als Autor lebt.“
Besonders die Szene des Mauerfalls habe ihn herausgefordert, erzählt er. „Da kommen so viele Ebenen zusammen: die historische Bedeutung, die persönliche Geschichte von Loalwa, die Musik, die Euphorie der Menschen. Das musste ich wieder und wieder überarbeiten, bis es sich richtig anfühlte.“
🌍 Für wen ist dieser Film?
„Global. Generationenübergreifend“, antwortet Kai ohne zu zögern. „Lambada war ein weltweites Phänomen. Menschen in Tokio, São Paulo, Berlin und New York haben zu diesem Song getanzt. Diese kulturelle Wucht ist der Hebel für den Film.“
Die Strategie dahinter ist clever durchdacht: Nostalgie trifft Gegenwart, Popmusik trifft Biopic, Entertainment trifft gesellschaftliche Relevanz. „Die Generation, die 1989 zu Lambada getanzt hat, ist heute in ihren Fünfzigern und Sechzigern. Die werden sich erinnern, werden emotional reagieren. Gleichzeitig ist die Geschichte so universell, dass sie auch jüngere Zuschauer anspricht, die von Loalwa noch nie gehört haben.“
💡 Mehr als nur Musik
Die Geschichte greift weit über die Musikbranche hinaus: Urheberrechte und wer wirklich profitiert. Kulturelle Aneignung und ihre Folgen. Die systematische Unsichtbarkeit weiblicher Künstlerinnen in der Popindustrie. Themen, die heute in der #MeToo-Ära brennender sind denn je. Als Wunschbesetzung für die Hauptrolle nennt Kai Namen wie Dua Lipa oder Karol G – Künstlerinnen, die selbst für Empowerment stehen und die Stärke mitbringen, Loalwas Komplexität darzustellen.
📬 Was kommt als Nächstes?
Kai Fischer wartet auf das richtige Angebot – und das meint er wörtlich. Nach über 100 Auszeichnungen klopfen viele an seine Tür, aber er bleibt wählerisch. „Es geht nicht darum, irgendeinen Deal zu machen“, betont er. „Es geht darum, den richtigen Partner zu finden. Jemanden, der die Vision teilt, der versteht, warum diese Geschichte erzählt werden muss – und der die Ressourcen hat, sie auf dem Level umzusetzen, das sie verdient.“
Die Kontakte, die er in den letzten Monaten geknüpft hat, klingen vielversprechend: Gespräche mit Produzenten, die an mehreren Tarantino-Filmen beteiligt waren. Interesse von Sony, da der Konzern Rechte an der Original-Lambada-Musik hält. Eine Kombination, die explosive Möglichkeiten bietet.
„Ich bleibe geduldig, fokussiert und offen für die richtige kreative Partnerschaft“, sagt Kai zum Abschluss. Er hat seinen Cortado längst ausgetrunken, aber sein Enthusiasmus ist ungebrochen. „Loalwas Geschichte hat fast 40 Jahre auf jemanden gewartet, der sie richtig erzählt. Jetzt wartet sie nur noch auf den richtigen Moment. Und ich glaube, der kommt bald.“
Kontakt: Kai Fischer
Drehbuchautor · Buchautor · Jury Member LA Short Film Awards
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🏆 Das Original-Interview
Dieses Gespräch basiert auf dem ausführlichen Interview der Cannes Film Awards mit Kai Fischer. Das vollständige englische Original findest du hier:
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